Die Schweiz
auf neuen Wegen

Sinkende Margen im Altholzgeschäft machen ein Nachdenken über die effizienteste Aufbereitungstechnik notwendig. Stark im Kommen: Vorzerkleinerung mit einem Langsamläufer,gefolgt von einer Siebung mit einem Sternsieb. Welche Vorteile eine Kombination aus Crambo und neuer Überlängenrückführung Multistar One mit sich bringt, wird bei der Holz- und Stockrecycling AG in Otelfingen gerade getestet.

03. Januar 2017

Hier in Otelfingen im Kanton Zürich ist seit einigen Tagen eine neue Maschinenkombination bestehend aus einem Crambo direct 5200 und einer Multistar One im Testbetrieb. Ziel des Versuchs ist es, neben betriebswirtschaftlichen Daten auch den Einfluss der Materialqualität auf den Verbrennungsprozess im nahen Heizkraftwerk zu untersuchen.

Brennstoffnutzung vor Ort
Wobei in diesem Fall „nahe“ noch übertrieben ist, denn die Aufbereitungsanlage für Altholz und das Heizkraftwerk sind ein und derselbe Standort. Lange Transportwege gibt es nicht, ein Förderband genügt, um den Brennstoff vom Lager zum Zwischenbunker zu transportieren. Andreas Suter, Geschäftsführer der Holz- und Stockrecycling AG, ist mitverantwortlich für diese optimale Lösung. Mit einer gehörigen Portion Pioniergeist und Wagemut wurde 2002 ein eignes Kraftwerk in Otelfingen eröffnet. Ein zweistelliger Millionenbetrag wurde investiert und mit Ausnahme einiger beheizter Glashäuser ganz auf die Erzeugung erneuerbaren Stroms gesetzt. Doch aufgrund geänderter Rahmenbedingungen gestaltete sich ein wirtschaftlicher Betrieb immer schwieriger, und so holte man 2008 einen internationalen Energiekonzern an Bord, der in der Zwischenzeit die Mehrheit übernommen hat. „2011 wurde die Anlage komplett überholt und ein Fernwärmenetz für das umliegende Industriegebiet dazu gebaut. Jetzt rechnet es sich wieder, doch für uns Private wäre solch eine weitere Investition nicht zu schaffen gewesen“, resümiert Andreas Suter, der sich nun voll und ganz auf die Lieferung des Brennstoffs konzentriert.

Jeden Tag 100 Tonnen
100 Tonnen pro Tag - so lautet der Brennstoffbedarf, der für die Produktion von 18 Mio. kWh an Strom und 8 Mio. kWh an Wärme benötigt wird. Bei einer Jahresmenge von ca. 35.000 Tonnen werden somit mehr als 90 Prozent direkt am Standort verwertet, der Rest geht an umliegende Kraftwerke. Verarbeitet wird Altholz der Qualitäten AI bis AIII - das heißt: Von naturbelassenem Holz, das lediglich mechanisch bearbeitet wurde, bis hin zu beschichteten und lackierten Spanplatten muss alles in einen möglichst homogenen Brennstoff umgewandelt werden. Diese Aufgabe bewältigen derzeit ein elektrischer Crambo 5000 als Vorbrecher und ein dieselbetriebener Schnellläufer. 

Pluspunkte der neuen Technik
Die Rolle des schnell laufenden Nachzerkleinerers soll in Zukunft ein Sieb übernehmen. Gerade wird getestet, wie weit die Kombination aus Crambo und Sternsieb mit integrierter Rückführung der Überlangen in den Zerkleinerer die energie- und verschleißintensive Nachzerkleinerung ersetzen kann. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Anstatt eines mehrere 100 Kilowatt starken, Staub und zum Teil auch Lärm produzierenden Schnellläufers arbeitet nun eine nahezu geräuschlose Siebmaschine mit einem Leistungsbedarf von nicht einmal 20 Kilowatt. Dazu kommt ein weiteres Plus: Andreas Suter schätzt, dass die Feinteile um 30 bis 40 Prozent reduziert sind. Um herauszufinden, welche Auswirkungen die veränderte Brennstoffqualität auf die Verbrennung im Heizkraftwerk hat, ist ein mehrtägiger Versuch notwendig. Nach zwei Tagen Testbetrieb zeigt er sich optimistisch: „Die Messwerte in der Abluft zeigen einen klaren Trend nach unten, vor allem der Kohlenmonoxid-Wert. Aber auch die Stickstoffoxide sind gefallen. Bei Asche- und Filterbeprobungen aus der Abluftreinigung warten wir noch auf die Laborergebnisse, aber auch da sind wir optimistisch.“

„Mit der neuen Kombination haben wir vielleicht etwas weniger Durchsatz, aber hinsichtlich der Produktqualität und den Betriebskosten sind wir klar im Vorteil“, ist sich Andreas Suter sicher. Auch wenn an der Testmaschine Multistar One noch die eine oder andere Kleinigkeit zu verbessern ist und für den Standort statt der getesteten mobilen nur eine stationäre Kombination in Frage kommt, ist eines für ihn klar: Diese Lösung hat Zukunft!