Ein Sägewerk belebt eine Region

Bei Tohsen Co. Ltd., einem führenden japanischen Betreiber von Sägewerken, setzt man auf die möglichst vollständige Verwertung der Ressource Holz: Davon profitieren das Geschäft, die Umwelt und auch die örtliche Bevölkerung.

30. September 2020

Die Präfektur Tochigi auf Honshü ist bekannt für ihren weltberühmten Shinto-Schrein Nikko Toshogu, für schmackhafte Erdbeeren, heiße Quellen und für die Lieferung hochwertigen Holzes. Die Präfektur ist zu 54 Prozent bewaldet, die Waldfläche umfasst 350.000 Hektar, wovon zirka ein Drittel mit Fichten bepflanzt ist. Mit einer jährlichen Holzproduktion von ca. 490.000 m3 ist die Holzindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig. So werden etwa 90 Prozent des eingeschlagenen Holzes in Sägewerken zu Schnittholz verarbeitet.

Über einen Firmenverbund betreibt Tohsen Co. Ltd. im Osten Japans fast 30 Sägewerke und verfügt insgesamt über 340 Mitarbeiter. Jährlich verarbeitet der Verbund mehr als 330.000 Kubikmeter Holz und ist damit der drittgrößte Holzverarbeiter Japans. Das Management basiert auf dem Anspruch, Holzressourcen möglichst vollständig zu nutzen und hat – früher als alle anderen – die Synergien von Forstwirtschaft und Energieerzeugung erkannt.

Erfolg durch eigene Strategie
Im Jahr 1964 gründete Herr Seigo Tohsen die Tohsen Sawmill Company Limited mit dem Bau eines ersten Sägewerks. Heute ist Seiju Tohsen Geschäftsführer von Tohsen Co. Ltd. Schon als Schüler unterstützte er seinen Vater im Management des noch jungen Unternehmens. Kreativität und Einsatz waren gefordert, denn zu dieser Zeit florierte die japanische Holzwirtschaft und als „Späteinsteiger“ war es schwierig, an genügend Rohholz zu kommen. Also konzentrierte man sich auf günstigere Rohholzqualitäten und holte sich den Profit über den Verkauf der anfallenden Sägespäne – eine Strategie, die das Überleben sicherte und die bis heute erhalten blieb. Als in den 70er-Jahren billige Holzimporte zu einer Verdrängung der heimischen Holzproduzenten führten, sicherte diese Strategie den Verbleib und legte gleichzeitig das Fundament für weiteres Wachstum. Durch Aufkäufe von stillgelegten Sägewerken und Allianzen mit anderen regionalen Betrieben entwickelte Tohsen auch ein eigenes Geschäftsmodell: Kleinere, lokale Betriebe führen die Tätigkeiten aus, in denen sie besondere Expertise besitzen, und liefern ihre halbfertigen Produkte an Tohsen zur weiteren Verarbeitung. So minimieren sich die Logistikkosten und die Bezugsquelle für den Rohstoff Holz bleibt gesichert.

Japanischer Biomassepionier
Als genauer Beobachter des Biomasse-Aufschwungs in Österreich und Deutschland bereitete Seiju Tohsen sein Unternehmen schon früher als der Mitbewerb für die aufkommende Biomasse-Ära in Japan vor. Das „Enerfore 50“ genannte Konzept besteht aus einem Sägewerk und einem Heizkraftwerk im Umkreis von 50 Kilometern, die als Verbund eine nahezu komplette Nutzung der örtlichen Waldressourcen für die Holz-, Strom- und Wärmeproduktion gewährleisten. Holz höchster Qualitätsklassen wird zu Schnittholz verarbeitet, Stämme zweiter Qualität werden zur Sperrholzerzeugung genutzt und Abfälle und Rinde werden zu Brennstoff gehackt. So kann jede Ressource mit maximaler Effizienz verwertet werden. Der Plan geht auf und das Geschäft wächst. „Kein Grund sich zurückzulehnen“, meint Seiju Tohsen, „mein Ziel ist es, das Verhältnis von heimischen Hölzern zu Importware zu vergrößern und die Philosophie von ‚Enerfore 50’ weiter zu verbreiten.“

Investitionen in eine nachhaltige Holzwirtschaft
Aktuell verfügt das Unternehmen über fünf Maschinen, die von Ryokusan, dem japanischen Vertriebspartner für Komptech Produkte, geliefert wurden, darunter ein Axtor 6010 und eine Multistar S3. Während der Hacker für die Herstellung von Qualitäts-Hackgut eingesetzt wird, kommt die Sternsiebmaschine vor allem für die Rindenaufbereitung zum Einsatz. Durch die intensive Bewegung auf dem Siebdeck werden Verschmutzungen abgetrennt und die Rinde kann so zu Brennstoff weiterverarbeitet werden.

Neben den Investitionen in moderne Technik setzt das Unternehmen auch Maßnahmen für eine nachhaltige Ressourcennutzung in der Holz- und Forstwirtschaft. Wälder werden gekauft und in eine zukunftssichere Nutzung überführt. Das Wissen dafür vermittelt das Tohsen Forrest Business College als Ausbildungs- und Unterstützungsstätte für Forstarbeiter. „Damit wollen wir der örtlichen Forstwirtschaft neues Leben einhauchen und neue Arbeitsplätze schaffen“, erklärt Seiju Tohsen. „So können wir unsere ganze Region revitalisieren und dafür setze ich nicht nur meine Arbeitszeit, sondern auch gerne meine Freizeit ein.“