Hart am Limit

Im Westen Berlins arbeiten zwei Crambos unermüdlich an einem riesigen Berg aus Altholz. 13 Stunden täglich wird Altholz zerkleinert, um dann als Biomassebrennstoff die Großstadt mit Strom und Wärme zu versorgen.

25. Juli 2014

Wenn sich kurz nach 6 Uhr morgens der erste Greifbagger bei der Holzkontor Preussen GmbH im Berliner Stadtteil Spandau in Bewegung setzt, ist der Tagesplan bereits klar: Wie an jedem Arbeitstag müssen mindestens 500 Tonnen Altholz zerkleinert, von Eisen befreit und verladen werden, um den Energiebedarf eines großen Holz-Heizkraft-werks zu decken. „Mit einer Jahresmenge von 150.000 Tonnen Brennstoff sind wir der Hauptlieferant des Kraftwerks“, macht Betriebsleiter Uwe Kulitzscher die Verantwortung des Unternehmens deutlich. „Sowohl beim Kraftwerk als auch bei uns sind die Pufferkapazitäten begrenzt, daher ist eine kontinuierliche Erzeugung und Anlieferung notwendig“. Diese enorme Menge wird normalerweise über eine stationäre Anlage erzeugt, aber ein Ausfall vor etwa einem halben Jahr hat nun Mobilmaschinen auf den Plan gerufen.
„Uns war von Anfang an klar, dass die Anforderungen für Mobilmaschinen einen Extremfall darstellen. Wir verarbeiten Gebrauchthölzer aller Art – die Bandbreite reicht von der einfachen Palette bis zu schwerem Bauholz mit massiven Eisenklammern. Trotz Vorsortierung landen immer wieder massive Störstoffe in den Zerkleinerern, die damit klar kommen müssen“, erklärt Uwe Kulitzscher die rauen Einsatzbedingungen, denen sich die Crambos bis zum Wiederanlaufen der Stationärtechnik stellen müssen.

Die drei Kriterien
„Das Zusammenspiel von Durchsatz, Verbrauch und Verschleiß war für uns bei der Auswahl der Maschinen entscheidend“, erläutert Uwe Kulitzscher die Kriterien in der Auswahlphase. „Wir haben eine Reihe von Maschinen getestet, und oft war bereits nach einer Stunde klar, dass es damit nicht gehen kann. Die Ehre auf den täglichen Altholzmarathon gewannen schließlich die Komptech Zerkleinerer: Im zweistufigen Zerkleinerungsprozess übernimmt ein Crambo 5200 direct mit großem Siebkorb die Rolle des Vorbrechers. Zugleich wird mittels Magnet am Abwurfband auch ein Großteil der metallischen Störstoffe abgetrennt. Ein Crambo 6200 direct kümmert sich um die Nachzerkleinerung und sichert so die vom Abnehmer gewünschte Körnung von 0 bis 200 mm. Eine zusätzliche Magnetabscheidung verringert den Eisengehalt noch weiter. Die Fütterung der Zerkleinerer erledigen Bagger, die trotz großer Polyp-Greifer ordentlich zu schaffen haben. „40 Tonnen pro Stunde fertiges Produkt sind immer drinnen, das können wir auch über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten“, lobt Uwe Kulitzscher das effiziente Zerkleinerungssystem des Crambo, das auf dieser Anlage nur während der Tankstopps zur Ruhe kommt.

Standortvorteil
Besondere Bedeutung hat im Gesamtkonzept der Brennstoff-bereitstellung das Thema Effizienz. Die Aufbereitungsanlage und das Kraftwerk sind verkehrstechnisch so günstig positioniert, dass die Brennstoffanlieferung mittels Schiff erfolgen kann. Obwohl es auf der Straße zum Kraftwerk nur 20 Kilometer sind, ist der Schiffstransport trotz längerer Strecke dem LKW aus ökologischer Sicht deutlich überlegen. Uwe Kulitzscher weiß diesen Standortvorteil zu schätzen:
„Auf ein Schiff bekomme ich 500 Tonnen Brennstoff, im Vergleich dazu brauche ich ungefähr 50 LKW-Ladungen, die ich durch das Stadtgebiet schicken muss. Das bedeutet höhere Transportkosten und zugleich eine stärkere Umwelt-belastung durch mehr Abgase und Lärm. Wenn in kalten Wintern die Kanäle wirklich einmal zufrieren, ist schon die Logistik allein für alle Beteiligten eine echte Herausforderung.“

Sparsam, leise und sauber
Emissionsarmer Transport verlangt im Sinne der Nachhaltigkeit auch nach geringem Energieverbrauch bei der Brennstoffherstellung. Genau das ist das Metier des Crambo: Das mechanische Antriebssystem geht mit der eingesetzten Energie äußerst sparsam um - trotz hoher Auslastung liegt der Dieselverbrauch pro Stunde konstant unter 40 Liter. Auch in Bezug auf Lärm- und Schadstoffemissionen sind die Zerkleinerer wahre Musterschüler und dank neuester Abgasreinigung und speziell gedämmtem Motorraum alles andere als „laute Stinker“.

Uwe Kulitzscher hat bereits Pläne für danach, wenn die Stationäranlage wieder ihren Betrieb aufgenommen hat. Spätestens dann werden die Mobilmaschinen wieder in die Freiheit entlassen, um auf Kundenplätzen Altholz oder in Zukunft vielleicht auch andere Biomasse zu zerkleinern.