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Ein Meilenstein in Ghana

Seit 2018 engagiert sich Komptech sehr erfolgreich im afrikanischen Markt. In Kooperation mit der Jospong-Gruppe wurden in Ghana bereits zahlreiche mobile Aufbereitungslinien sowie die erste stationäre Anlage in Betrieb genommen, eine zweite befindet sich im Aufbau. Zusätzlich zur Technik ist vor Ort Abfallwirtschaftswissen gefragt.

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Ghana erzeugt pro Jahr rund fünf Millionen Tonnen Siedlungsabfälle, davon sind geschätzte 60 Prozent organisch. Von diesen kann etwa ein Viertel zu Kompost verarbeitet werden, das entspricht einem jährlichen Zugewinn von rund 750.000 Tonnen wertvollem Bodenverbesserer. Insgesamt sind rund 80 Prozent der Abfälle des westafrikanischen Landes stofflich (wieder-)verwertbar. Vor diesem Hintergrund hat Ghana sein Entsorgungssystem in den vergangenen Jahren dezentralisiert und so die Voraussetzung für eine verbesserte Abfallverwertung geschaffen.

Lokale Regierungsbehörden und privatwirtschaftliche Akteure sind dabei, die erforderlichen Strukturen zu etablieren. Damit ist Ghana in puncto Abfallentsorgung eines der fortschrittlichsten Länder Afrikas. Ein Schrittmacher ist die Zoomlion Ghana Limited (Jospong-Gruppe), Ghanas größtes Abfallentsorgungs- und -aufbereitungsunternehmen.

 

Angepasst an die lokalen Bedingungen

Als Komptech und die Jospong-Gruppe 2018 gemeinsam die ersten Abfallbehandlungsanlagen in Ghana planten, entschied man sich für eine Kombination aus mobilen und semimobilen Maschinen. Gottfried Reither, Director System Technology von Komptech, erklärt: „Zoomlion brauchte dringend Anlagen für die Aufbereitung von 600 Tonnen Siedlungsabfall pro Tag in Accra. Eine stationäre Lösung benötigt Infrastruktur und vor allem gesicherte Stromversorgung, aber das war nicht gegeben. Durch den autarken Betrieb über Dieselmotoren beziehungsweise Dieselgeneratoren konnten die Linien so zusammengestellt werden, wie sie benötigt wurden, und waren sofort einsatzbereit. Wenn die geordnete Verwertung erst im Aufbau ist, passt eine flexible Anlagentechnik im ersten Schritt besser.“

Die speziell entwickelten Komptech-Anlagen selektieren die biogenen Anteile aus dem angelieferten Abfall für die anschließende Kompostierung und separieren die Wertstoffe so, dass nur noch ein kleiner Rest des Mülls auf der Deponie landet.

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Vor der Zusammenarbeit mit Komptech hatte Zoomlion einen Maschinenhersteller aus Asien mit dem Bau einer stationären Anlage beauftragt. Doch die Leistung und auch die anschließende Betreuung entsprachen nicht den Erwartungen des Kunden. Vertreter der Jospong-Gruppe reisten deshalb nach Europa, um sich dort nach einem passenden Partner umzusehen. So traf man sich auch mit Komptech. Reither: „Wir schauten uns die Bilder der bestehenden Anlage in Adjen Kotoku an und sahen: ‚Das funktioniert so nicht.‘“

Gleich vier Konzeptionsfehler konnte der Systemtechnik-Profi allein anhand der Fotos ausmachen. Er griff kurzerhand zum Stift und skizzierte, wie ein Aufbereitungsprozess bei den bestehenden Bedingungen optimal laufen könne. Das pragmatische Vorgehen kam bei der Delegation aus Ghana gut an und Komptech wurde für einen Ortstermin in die ghanaische Hauptstadt Accra eingeladen. Auf den ersten Auftrag mit fünf semimobilen Linien folgte ein weiterer mit neun. Jede von ihnen kann 200 Tonnen gemischten Hausmüll pro Tag verarbeiten.

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Zweiter Schritt: Die stationäre Anlage

Für Kumasi nördlich von Accra benötigte Zoomlion eine erheblich größere Anlage mit einer Kapazität für rund 600 Tonnen gemischten Hausmüll pro Tag. Die Abfallauftrennung sollte in diesem Fall aus ökonomischen Gründen elektrisch betrieben werden. Eine vorhandene Halle wurde dafür umgebaut. „Wenn die Infrastruktur steht und die Zusammensetzung des Abfalls bekannt ist, ist eine stationäre Lösung wirtschaftlicher. Hier spielt auch der höhere Wirkungsgrad elektrischer Systeme eine Rolle“, erklärt Reither.

Manche Aggregate wie ballistische Sichter oder Nachzerkleinerer sind zudem nur als stationäre Maschinen verfügbar. Durch sie kann die Auftrennung des Abfallstroms noch differenzierter erfolgen und mehr verwertbare Stoffe werden gewonnen. Die neue Anlage in Kumasi arbeitet mit einem Terminator 3400 Zerkleinerer und einer sich anschließenden zweistufigen Siebung in die Fraktionen 0–80 Millimeter, 80–300 Millimeter und > 300 Millimeter.

An vier Prozessstationen unterstützen Zoomlion-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter die Auftrennung. Insgesamt entstanden mit der Anlage so 400 neue Arbeitsplätze. Nach der händischen Entfernung von Störstoffen und der Zerkleinerung wird das Inputmaterial über Komptech-Trommelsiebe fraktioniert. Die Feinfraktion (< 80 mm) passiert ein Sternsieb 2SE und geht dann zur Kompostierung in ein Tunnelsystem. Der Kompost wird später mit Cribus 3800 Trommelsieben und einem Windsichter weiter aufbereitet. Die Fraktion 80–300 Millimeterwird mit einem Ballistor 6300 in eine kubische und eine flächige Fraktion aufgeteilt. Wertstoffe wie Holz, PET, PE, PP und Nichteisen-Metalle werden aus der kubischen Fraktion manuell separiert. Hinzu kommt eine automatisierte Abscheidung von Fe-Metallen. Auch aus der Fraktion > 300 Millimeter werden Wertstoffe manuell selektiert. Reither: „Technisch entspricht die Kumasi-Anlage absolut europäischem Standard.“

Service und Schulungen vor Ort

Um den Service für die Jospong-Gruppesicherzustellen, hat Komptech in Ghana eine lokale Präsenz eingerichtet. Komptech-Servicetechniker Eric Martey ist permanent vor Ort und inspiziert regelmäßig alle Anlagen. Manfred Harb, Director Customer Services Komptech, erklärt: „Wenn wir eine neue Servicestruktur aufbauen, gibt es drei mögliche Wege: Wir finden einen Servicepartner vor Ort mit eigenem Ersatzteillager. Wir stellen den Service durch einen Techniker von Komptech sicher und arbeiten mit Ersatzteilen aus unserem Lager oder dem des Kunden. Oder, drittens, wir vereinbaren eine Instandhaltung durch den Kunden mit Unterstützung durch das Herstellerwerk.“ In allen Fällen werden Vertriebs- und Servicepartner sowie Kunden anhand der Dokumentation und bei Inbetriebnahme auf den Maschinen vor Ort geschult, um das notwendige Know-how und wertvolle Erfahrungen weiterzugeben. Im Rahmen der Wartungsvereinbarungen ist ein Techniker von Komptech innerhalb der ersten 3.000 Betriebsstunden zudem bei Inspektionen als Supervisor dabei. „Danach sind in der Regel die meisten Wartungs- und Instandhaltungsthemen einmal angefallen und der Kunde hat ausreichend Erfahrung aufgebaut. Außerdem nutzen wir digitale Systeme wie CONNECT!, ASSIST! und TRACK!, um Information verfügbar zu machen und Serviceansätze zu unterstützen“, ergänzt Harb.

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